Demokratie zum Ausprobieren - junge Frauen und Politikerinnen im Austausch

Frauen sind in der Politik nach wie vor unterrepräsentiert: Im Kreistag des Odenwaldkreises sind von 51 Sitzen nur 15 von Frauen besetzt. Um dem entgegenzuwirken, ist es besonders wichtig, früh bei jungen Menschen anzusetzen und ihnen die Chancen zur Mitbestimmung sowie die Bedeutung von Gleichberechtigung näherzubringen.

Vergangenen Freitag lud die kommunale Jugendarbeit der Gemeinde Höchst i. Odw. zu einer besonderen Veranstaltung ein, die Politik für junge Menschen erlebbar machte. Das Zusammentreffen fand in den Räumlichkeiten des Jugendtreffs (Bachgasse 10), einem bei Jugendlichen beliebten Treffpunkt, statt und bot die Möglichkeit zum Austausch zwischen politisch engagierten Frauen und jungen Teilnehmerinnen.

In der gemütlicher Atmosphäre übernahmen die Mädchen die Rolle der Gastgeberinnen und konnten ihre ersten Berührungspunkte mit politischen Themen sammeln, Fragen stellen und direkt erleben, wie Mitbestimmung funktioniert.

Der Nachmittag war in zwei altersgerechte Programmpunkte gegliedert. Zunächst trafen sich die jüngeren Mädchen im Alter von acht bis zehn Jahren zum Mädchentreff. Spielerisch erkundeten sie, wer im Alltag Entscheidungen trifft - in der Familie, in der Schule oder in der Politik. Besonders kreativ wurden die Mädchen, als sie eigene Gesetze für ihre ideale Welt entwarfen und auf einem Plakat festhielten. Dabei zeigte sich, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen: Fairness zwischen Jungs und Mädchen, Respekt, Umwelt- und Tierschutz sowie kostenfreie Freizeitangebote wie Freibad- oder Kinobesuche für alle unter 18 Jahren.

Im Anschluss setzten sich die älteren Teilnehmerinnen im Girls Club mit den Strukturen der Demokratie auseinander. Sie lernten, wie Entscheidungen auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene entstehen und wie eigene Vorschläge eingebracht werden können. In einer simulierten Wahl sammelten die Jugendlichen Ideen, stimmten darüber ab und werteten die Ergebnisse aus. Zugleich diskutierten sie, wie man mit unterschiedlichen Meinungen umgeht und wie Kompromisse das demokratische Verständnis stärken.

Ein Höhepunkt des Nachmittags war der persönliche Austausch mit den eingeladenen Frauen auf Augenhöhe. Sie berichteten von ihrem Weg in die Politik, von Motivation und Herausforderungen und machten deutlich, dass politisches Engagement oft mit kleinen Schritten beginnt und Mut erfordert. Diese persönlichen Einblicke eröffneten den Teilnehmerinnen Zugang zu politischen Themen aus eigener Erfahrung und machten die Gäste zu weiblichen Vorbildern.

Passend zum Internationalen Frauentag am 8. März wurde außerdem besprochen, dass viele Rechte für Frauen erst über lange Zeit erkämpft werden mussten, darunter auch das Wahlrecht. Dabei wurde deutlich, dass Gleichberechtigung weiterhin ein wichtiges Thema ist und dass Mädchen und junge Frauen ermutigt werden sollen, Verantwortung zu übernehmen.

Am Ende zogen die Organisatorinnen ein positives Fazit: Die Veranstaltung zeigte, wie wertvoll persönliche Begegnungen mit engagierten Frauen sind und wie wichtig es ist, junge Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit zu bestärken. Solche Angebote sollen auch künftig stattfinden, um Orientierung zu geben und zu vermitteln: Deine Stimme zählt.

 

Text: Marlene Wagner

 

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