Tausende Menschen in Deutschland setzen sich derzeit mit beispiellosem Engagement für die vom russischen Angriffskrieg aufs Härteste getroffene Bevölkerung in der Ukraine ein. Auch die zahlreichen Hilfstransporte, die derzeit von Odenwälder Bürger*innen auf die Beine gestellt werden, sind Ausdruck der tiefen Verbundenheit mit den Menschen, deren Lebensgrundlage auf brutale Weise zerstört wird.

Der AWO Kreisverband Odenwaldkreis e. V. hat sich jüngst solch einer Initiative (unterstützt und getragen durch die SPD Mossautal, zahlreichen privaten Unterstützer*innen, dem Ehepaar Mihaela und Olaf Spiekermann, Kulturschaffenden rund um den Verein Peripherique, dem Seniorenheim Sonnenberg sowie dem Busunternehmen Sauter) angeschlossen.

Eva Heldmann und Friedrich Weber (Vorstandsmitglieder des Kreisverbands) sowie Christian Merkel und Christian Senker (Beschäftigte des Kreisverbands) begleiteten mit zwei AWO-Kleinbussen den Hilfskonvoi, der insgesamt aus mehreren Transportern, zwei LKW und einem Reisebus bestand. Der Konvoi brachte die zuvor in der Mossautalhalle mit breiter Unterstützung durch die Bevölkerung gesammelten und sortierten Hilfsgüter in den äußersten Nordosten Rumäniens. Bei einem Zwischenstopp vom 5. auf den 6. März 2022 in der Gemeinde Brosteni in den Ostkarpaten (Rumänien), wurde die Gruppe herzlich vom Bürgermeister Alexandru Hurjui empfangen und für eine Nacht in mehreren Pensionen untergebracht. Hurjui und Mihai Citea, die in engem Kontakt mit Mihaela und Olaf Spiekermann stehen, waren maßgeblich an der Vermittlung mit den rumänischen Behörden beteiligt. Erst so wurde dem Konvoi der Zugang zum Sicherheitsbereich der rumänisch-ukrainischen Grenze in Siret möglich.

Am 6. März 2022, nach einem letzten Briefing durch Olaf Spiekermann, setzte sich der Konvoi in Richtung Grenzgebiet in Bewegung. Nach ca. zwei Stunden Fahrt auf serpentinenreicher Straße durch die Karpaten, kamen die Helfer*innen in der Sicherheitszone im Grenzgebiet an, wo mit Unterstützung durch die rumänische Gendarmerie und der Feuerwehr die Hilfsgüter aus dem Odenwald umgeladen wurden. Lebensmittel, warme Kleidung, Schlafsäcke und Isomatten wurden direkt in zwei 40-Tonnen-LKW verladen, die sich direkt ins Landesinnere der Ukraine aufmachten. Der Rest der Hilfsgüter wurde zunächst vor Ort gelagert.

Direkt nach dem Entladen konnten insgesamt 67 Personen, zumeist Frauen und Kinder, die bereits seit mehreren Tagen unter prekären Bedingungen und bei niedrigen Temperaturen auf der Flucht waren, direkt an der Grenze auf rumänischer Seite in den Fahrzeugen der Odenwälder Helfer*innen aufgenommen werden.

Für die Freiwilligen des Odenwälder Hilfskonvois ging es nun darum, die 67 Ukrainer*innen an einen sicheren Ort in Deutschland zu bringen. Auf Bitte von Olaf Spiekermann am Abend des 6. März 2022, nahm sich das Team der AWO den Menschen an und kümmerte sich fortan um deren bevorstehende Unterbringung in Deutschland. Christian Senker stand nunmehr während der gesamten Rückfahrt in engstem Austausch mit dem Odenwaldkreis. Hotels im Kreisgebiet wurden von der Kreisverwaltung um Mithilfe bei der Aufnahme der Menschen gesucht. Dank der großen Unterstützung der mitgereisten Helferin Elena Eckstein, die den Reisebus begleitete, konnte mit den Menschen geklärt werden, welche dringenden Bedarfe vorliegen, wer ggfs. medizinische Unterstützung in Deutschland benötigt und wer definitiv bis in den Odenwald mitkommen würde. 20 der aus der Ukraine geflohenen Menschen entschieden sich, in Wien, Nürnberg oder Stuttgart auszusteigen, da sie hier bei Familienmitgliedern und Freunden Zuflucht fanden und von diesen an zuvor verabredeten Autobahnraststätten abgeholt werden konnten.  

Zeitgleich organisierten Oliver Hülsermann, Geschäftsführer des AWO Kreisverband Odenwaldkreis e. V. und Andrea Lust in der Geschäftsstelle die Versorgung der Menschen bei erwarteter Ankunft im AWO Mehrgenerationenhaus in Michelstadt. Binnen kürzester Zeit kamen dafür diverse Sachspenden von Privatpersonen und Institutionen zusammen. Die AWO Ortsvereine und weitere Personen stellten finanzielle Mittel zur Verfügung.

Der Konvoi mit den Menschen aus der Ukraine traf in der Nacht zum Dienstag, dem 8. März 2022, nach fast 37-stündiger Fahrt, um 1.00 Uhr am Mehrgenerationenhaus ein und wurde von Olga Senker, Olga Dück, Thomas Lust und Oliver Hülsermann mit warmen Getränken, Essen und vorbereiteten Lunch-Paketen bzw. zusammengestellten Hygieneartikeln empfangen. Trotz der fortgeschrittenen Zeit nutzten die Menschen die Möglichkeit anzukommen, ins Gespräch zu kommen und sich zu stärken. Die Kinder taten dies auf ihre Weise, indem sie sich im Spielzimmer des Mehrgenerationenhauses austobten. Zwischenzeitig wurden einige geflüchtete Menschen von Familienangehörigen abgeholt und reisten mit diesen weiter. Gegen 3.00 Uhr in der Frühe konnten ausnahmslos alle 37 noch verbliebenen Menschen, in die vom Odenwaldkreis zur Verfügung gestellten Unterkünfte in Hotels und Pensionen aufgeteilt werden. Noch in der Nacht wurden dann der Michelstädter Hof (Michelstadt), das Hotel „Zum Weißen Lamm“ (Oberzent), die Raubacher Höh (Oberzent) und die Pension „Zum Fürstengrund“ (Reichelsheim) angefahren.

In den folgenden Tagen stellte der AWO Kreisverband Odenwaldkreis e. V. die Betreuung und weitere Versorgung der untergebrachten Menschen sicher. So werden u. a. seither behördliche Anmeldungen vorgenommen, Anträge gestellt, Schul- und Kindergartenplätze gesucht, Kinderbetreuungen übernommen, psycho-soziale Begleitung gewährleistet, die Grundausstattung mit Kleidung und weiteren Hygieneartikeln ermöglicht und die Unterbringung in Wohnraum im Kreisgebiet vermittelt und vorbereitet. Ehrenamtliche Helfer*innen und Sprachmittler*innen sowie die Fachkräfte der AWO Sozial- und Wohnungslosenberatungsstelle (Michael Schmidt, Christian Merkel) unterstützen diese umfängliche Arbeit bei und mit den Menschen. Die Koordination des Helfer*innenstabs haben für Reichelsheim Christian Senker und für Oberzent und Michelstadt Oliver Hülsermann übernommen.

Von den 37 geflüchteten Menschen, die in der Nacht zum 8. März 2022 in Hotels und Pensionen im Odenwaldkreis untergebracht wurden, sind mittlerweile einige weitergereist. Für einen Verbleib im Odenwald haben sich 25 Menschen entschieden (14 Erwachsene, 11 Kinder). Sie und ihre nachkommenden Familienangehörigen werden weiter von uns betreut und begleitet.

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